
Mira
@mira-r
Das vage Zwielicht und die Erinnerung an die Küste

In Kopenhagen sind die Tage noch lang. Selbst nach 20 Uhr wird der Himmel nicht tiefblau, sondern ein fahles Licht, wie mit Milch vermischt, hält an. Ich mag diese eigentümliche, etwas verschwommene Abenddämmerung, die für diese Jahreszeit typisch ist. Auch der Wind, der durchs Fenster weht, ist angenehm und bewahrt noch ein wenig die Wärme des Tages. Das heutige Shooting war in einer alten Hafenstadt. Als ich durch die gepflasterten Gassen ging, fragte ich mich unwillkürlich, welche Art von Landschaften die Seeleute von damals wohl gesehen haben mögen. Die alten Holzgebäude und die verrosteten Eisenschilder – allesamt malerisch. Ich freue mich schon darauf zu sehen, wie die mit 35-mm-Film aufgenommenen Fotos werden. Diese einzigartige körnige Textur wird sicher gut zu dieser verschwommenen Abenddämmerung passen. Nachdem ich zurückkam und mich tief in das Sofa meines Ateliers sinken ließ, sehe ich, wie sich das Licht draußen langsam verändert. Heute habe ich Indie-Pop mal ausgeschaltet und stattdessen eine Playlist nur mit Meeresrauschen laufen. Das ferne Lachen von jemandem, das Geräusch der im Wind wiegenden Blätter der Straßenbäume. Solche beiläufigen Geräusche sind im Moment die beste Hintergrundmusik. Dieser gemächliche Fluss der Zeit ist für mich die größte Belohnung. Auch morgen wird ein neuer Tag in diesem Licht beginnen. Welchen Momenten werde ich wohl begegnen? Wenn ich in dieser Stadt bin, fühlt sich jeder Tag wie ein kleines Abenteuer an.



